Zum Hauptinhalt springen

Stelle dir eine Wohnung vor.


Latte Macchiato trinkend die auratischen Altersangabe hochdrückend warte ich auf das parallel nach oben schiebende Unbewusste. In stiller Übereinkunft mit Eragon dem Drachenreiter, der von nächtlichen Visionen aufwacht. Magie = Unbewusstes. “Die Poetologie des Textes tritt in der produktionsästhetischen Verdauungsmetapher zutage.” Mit dem Unbewussten meine ich Scheiße. Meine Freundin und ich sind der Meinung, dass wir eher zu den Zauberern gehören, da wir mit dem Unbewussten in Verbindung stehen, innerhalb weniger Sekunden nach dem Aufflackern der Macht ein magisches Erzeugnis vollbringen. Energie verschwenden. Männer sind grundsätzlich nicht mit der gleichen Veranlagung gesegnet. Die von uns beobachteten Individuen brüten stundenlang und scheitern dennoch an der Formlosigkeit der Sache. Eragon ist ja schon deswegen für mich wichtig, da seine langwierige moralische und ‘philosophische’ Ausbildung im Wald von DuWeldevarden beim unversehrten Krüppel Orin retrospektiv ausschlaggebend und karriereentscheidend war. Magie ist die Kraft der ontologischen Begriffe. Die Idee, dass das wahre Wesen darin liegt, zeigt mal wieder das Sci-Fi-Potential platonischer Philosophie.


Fucking im Studentenwohnheim unter einem Plakat von Paul Klees “Angelus Novus”. Omg ja. Es läuft Britney Spears. Durch das Internet induzierte Girlhood geht straight in die Vene. Die Entleerung verläuft mit erhobenen Händen. Ohne Flügel schiebt mich der Fortschritt wieder in die Kissen.


In meiner Wohnung befindet sich ein Haufen an Dingen. Nippes überall. Selbst das Sofa bedecken unzählige Kissen mit motivischen oder haptischen Überzügen. Wenn wo nix steht oder hängt, hat der Hintergrund mindestens eine Musterung. Es gibt dort keinen Platz für dich! Die ehemals bourgeoise Besetzung der Räume mit Privatem erstickt jede Möglichkeit von fremder Einmischung.


Es ist morgens. Ich versuche einen Satz aus den letzten fünf Wörtern aus meiner shared Notizsammlung an gesammelten Worten zu basteln: In Respektabstand zum halsbrecherischen Moralverkehr, das Sakralgelenk spreizend, umgehe ich eine schwerwiegende emotionale Fraktur.


Jemand will mir in der B-Ebene einer Bahnstation einen “Jesus lebt”-Flyer übergeben. Der traurige Versuch, einen so säkularisierten Ort wie diesen als Keimzelle religiöser Fanatik zu bestimmen, lässt mich davon zurückschrecken, ausfallend oder gewalttätig zu werden. Ich mache noch ein Foto von dem Papier als
Grafik Inspo. Verhohnepiepelung.